Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt

Sufi Elahi: "Nicht aufgeben, Hilfe suchen und eigene Motivation aufbringen."

"Bei PiA habe ich gesehen, was ich alles aus mir holen konnte."


Seit über zehn Jahren führt Sufi Elahi einen harten Kampf gegen eine äußerst schwierige Familiensituation, Rückenprobleme und kafkaeske Verwaltungswege... Dennoch haben ihr starker Wille und ihre immense Hartnäckigkeit dazu geführt, dass sie heute da steht, wo sie sein wollte: Die 43-jährige Iranerin absolviert den einjährigen Vorbereitungskurs für die Ausbildung zur Erzieherin bei beramí.
"Ich wollte nicht ungebildet in Deutschland bleiben", sagt Sufi Elahi. Dies war ihr Leitmotiv in all den Jahren nach ihrer Scheidung. Ihr heimisches Abitur wurde in Deutschland nur als Realschulabschluss anerkannt, denn studiert hatte sie nach der Eheschließung nicht. Um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und zudem von ihrem zweiten Kind schwanger wurde, begann sie eine Qualifizierung für Frauen als City-Logistikerin.
Als geschiedene Frau musste sie plötzlich allein für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Um finanziell über die Runden zu kommen, nahm sie viele kleine Jobs an, manchmal sogar mehrere parallel von der Meinungsforschung bis hin zur Non-Food-Verkäuferin. Nach der Scheidung war sie gezwungen, den Wohnort zu wechseln: nach Frankfurt. Über die Arbeitsagentur bekam Sufi Elahi eine Stelle in einem Altenpflegeheim.
"Die Arbeit ist körperlich so anstrengend, dass meine Gesundheit nicht mitgemacht hat. Ich musste wegen Rückenschmerzen aufhören, obwohl ich unbedingt arbeiten wollte", berichtet sie. "Danach habe ich in einem ambulanten Pflegedienst weitergemacht, denn ich hatte meine Einbürgerung im Visier, diese ist nun 2012 erfolgt. Das war mir sehr wichtig."
Sufi Elahi musste wegen ihrer körperlichen Beschwerden in eine Kur. Deswegen wurde ihr die Arbeit im Pflegedienst gekündigt. Ein ärztliches Gutachten der Arbeitsagentur bestätigte ihre Wirbelsäulenprobleme. Mit ihrem persönlichen Ansprechpartner vereinbarte sie die Finanzierung eines C1-Deutsch-Kurses und die Teilnahme an einer Qualifizierung zur Erzieherin. "Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten, dieses Ziel erfreute mich so sehr! Leider musste ich dann einige Zeit bei meiner kranken Mutter im Iran sein. Als ich wieder zurück nach Deutschland kam, hatte der persönliche Ansprechpartner gewechselt und seine Vertretung ließ sich nicht auf die Vereinbarung ein: Sie würde ‚nichts finanzieren und ich solle mir eine Stelle suchen‘. Der Grund war das Gutachten, das belegte, dass ich mehr oder weniger nichts tragen durfte. Aber kleine Kinder sind doch was anderes als ältere Menschen!"
"Bei PiA habe ich gesehen, was ich alles aus mir holen konnte"
Ihre Perspektive war und blieb, Erzieherin zu werden. Sufi Elahi wollte alles dafür tun. In dieser Zeit bekam die mutige Frau den PiA-Flyer in die Hände und nahm am vierwöchigen Kompetenzprofil teil. "Dort habe ich gesehen, was ich aus mir holen konnte und ich erhielt Hilfe bei Bewerbungen und Informationen zum Beruf der Erzieherin im Kindergarten. Das war sehr hilfreich für mich, so konnte ich zum Beispiel bereits ein Praktikum absolvieren. Auch die Informationen seitens der Referenten aus Unternehmen waren sehr gut!"
Doch bis zum Kurs gestaltete es sich schwierig und das ganze Prozedere nahm kafkaeske Züge an... Nach einem Besuch bei jumpp, beim Frankfurter Arbeitslosenzentrum FALZ e.V., nach schriftlichen Anfragen bei der Arbeitsagentur, nach etlichen Besuchen dort, nach zwei weiteren ärztlichen Gutachten der Arbeitsagentur und nach einem ärztlichen Attest konnte sie endlich am einjährigen Vorbereitungskurs für die Ausbildung zur Erzieherin bei beramí teilnehmen!
"Seit dem Kursstart im August 2014 habe ich viel Arbeit zu Hause. Aber ich habe fest vor, Erzieherin zu werden! Ich kann anderen Frauen nur raten: Egal was ist, geben Sie nicht auf, suchen Sie sich Hilfe, wo Sie können, und vor allem bringen Sie selbst viel Motivation auf! Sie müssen immer aussagen, was Sie werden möchten: beim Amt, bei Ihren Vorgesetzten... Nur so erhalten Sie Unterstützung", weiß die zielstrebige Iranerin.

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