Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt

Anna Matseniuk: „Mit PiA habe ich mein Selbstbewusstsein wieder erlangt“

Seit November 2009 ist Anna Matseniuk Kunstlehrerin in einer Schule der russischen Kirche. „Diese Stelle habe ich selbst kreiert, sie gibt mir unheimlich viel Energie und Selbstbewusstsein! Ich habe vor, mich mit meiner eigenen Schule selbständig zu machen. Ich möchte als Künstlerin Kinder ab drei Jahren in Kunst fördern, so dass sie ihre Fähigkeiten in diesem Bereich weiterentwickeln können - zunächst bei ihnen zu Hause. In einem zweiten Schritt möchte ich mein eigenes Atelier haben“, strahlt die 28-jährige Weiβrussin, die wieder in ihrem Element ist.

Anna Matseniuk

Die vielseitige junge Frau absolvierte in ihrer Heimat ein Kunststudium, bevor sie nach Kiew zog und dort ein „Bachelor Internationale Beziehungen – Fachmann Internationales Recht“, anfing. Sie möchte ihre Kenntnisse in diesem Fach weiter vertiefen, insbesondere in Frauenrecht.

Als sie Mitte 2007 aus familiären Gründen nach Deutschland kam, lernte sie weiter per Fernstudium. Es ist nicht immer einfach gewesen, aber ihre Motivation lag sehr hoch. Schlieβlich absolvierte sie ihr Bachelor erfolgreich im Juni 2009. Mehrsprachigkeit war stets ein Vorteil für Anna, die in Kiew in der Immobilienbranche tätig war. In dieser Zeit hat sie gelernt, mit Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen umzugehen. Je nach Kunden wechselte sie zwischen Russisch, Ukrainisch und Englisch. Auch Hebräisch hat sie gelernt, da dies für diesen Beruf erforderlich war. Heute kann sie noch Goethes Sprache zu dieser Palette hinzufügen. Sicherlich sind die Fremdsprachenkenntnisse in der aktuellen intensiven Bewerbungsphase von Vorteil. Nicht zuletzt hat sie dank ihrer Teilnahme am PiA-Programm wieder den Mut gefunden, sich vorzustellen und zu bewerben. „Eigentlich bin ich in meiner Heimat eine selbstbewusste Frau. Nur hier betrachtete ich mich nur noch selbst als eine Ausländerin, die wenig zu bieten hatte. In den drei Modulen haben mich die Dozentinnen nicht nur ermutigt, meine Deutschkenntnisse zu vertiefen. Dank ihres Einsatzes habe ich wieder mein Selbstbewusstsein erlangt.“

Frauen sollen nicht hoffen, sondern handeln!

In dieser Zeit konnte sie ebenfalls sehr gute Kontakte zu anderen PiA-Teilnehmerinnen knüpfen, die heute Netzwerkpartnerinnen sind. Schlieβlich ist der Netzwerkausbau ein wesentlicher Bestandteil des Programms. Was Anna Matseniuk Gleich-gesinnten mit auf dem Weg geben würde: „Bleiben Sie nicht zu Hause! Die Versuchung ist besonders groβ, wenn man verheiratet ist und Kinder hat. Es hat mit Egoismus nichts zu tun, aber Sie müssen auch an sich denken. Zusammen sind wir stark und können viel bewegen, auch auβerhalb unserer Familien. Heute haben Frauen in der Bundesrepublik viele Rechte: Nutzen Sie diese! Wir sollten die Energie und den Mut haben, etwas aufzubauen, dann klappt es auch! Nicht jede Migrantin hat das Glück, am PiA-Programm teilzunehmen. Andere Frauen sollten ebenfalls schauen, welche Angebote sie zur Verfügung haben, um sich weiter zu entwickeln. Frauen sollen nicht hoffen, sondern handeln! Unsere Träume sind unsere Ziele, die wir aber auch erfüllen wollen“, ermutigt die Kunstlehrerin. Ihr nächster Traum: „Mit meiner Kunst möchte ich etwas Gutes in diese Welt bringen! An der obersten Stelle steht jetzt eine abwechslungsreiche Tätigkeit im internationalen Umfeld, in dem ich meine Sprachkenntnisse ein-setzen kann. Ich bewerbe mich zurzeit am Flughafen, kann mir aber auch eine Traineestelle in einem Unter-nehmen vorstellen, das z. B. Geschäfte mit Russland oder Ukraine abwickelt. Mir ist es sehr wichtig, dass ich so schnell wie möglich finanziell auf eigenen Beinen stehe.“

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