Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt

Sandra Oestmann: Zunächst die deutsche Gesellschaft verstehen

„Beobachten Sie die Menschen, lernen sie die Gesellschaft, in der Sie heute leben, kennen, anstatt diese neue Kultur von Beginn an abzulehnen. Verstehen Sie zunächst die deutsche Gesellschaft, erst dann können Sie sich eine eigene Meinung bilden, ob Sie sie gut finden oder nicht“, rät die 51-jährige Sandra Oestmann anderen Frauen mit Migrationshintergrund, die sich integrieren möchten. 

Sandra Oestmann

Sandra Oestmann

Dies habe sie in den verschiedenen Modulen und Trainings des PiA-Programms für sich entdeckt. „Am Anfang glaubten viele Teilnehmerinnen, dass sie nichts richtig könnten. Dann haben wir begriffen, dass der Grund weshalb man eine Stelle bekommt auch in uns selbst steckt - und nicht nur an den deutschen Mitbürgern liegt“. Eine gute Möglichkeit, sich die Gesellschaft besser zu integrieren sei ebenso, sich für sie zu engagieren und etwas zurückzugeben. Dadurch vergrößern sich zugleich die Netzwerke, die bei der Jobsuche ausschlaggebend sind. Eigentlich hat Sandra Oestmann einen deutsch-brasilianischen Pass, dennoch empfindet sie sich als Zugewanderte, denn sie lebt erst seit zwei Jahren in der Bundesrepublik.

Goethes Sprache verwendete sie nur wenig mit ihrem Vater und Groβvater, wusste aber bereits mit 25, dass sie ihre zweite Lebenshälfte in Deutschland verbringen möchte. Es war für sie ein alter Traum! Sie wagte den Schritt, als sie nach ihrer Scheidung ihr Privatleben neu organisierte. Rück-blickend gibt sie zu, als Hotel-Managerin und spezialisierte Beraterin für die Eröffnung neuer Hotels sehr viel gearbeitet zu haben. Hin-zu kam, dass sie sich sehr für eine Umweltschutz-Bewegung auf höchstem Niveau engagierte. „In Brasilien gab es immer viel Gold, Steine, Holz. Schon immer haben sich die Menschen bedient, ohne je etwas zurückzugeben. Bereits mit 18 Jahren kämpfte ich in Diktaturzeiten dagegen durch eine studentische Bewegung!“, erklärt die zielstrebige Frau. 

uch hier möchte sie sich heute weiter gesellschaftlich involvieren: als Reporterin, die ihre Umgebung beobachtet? Gegen den Müll? Für die Förderung der Kompetenzen von Frauen? Ideen fehlen ihr nicht… Jedoch ist eine neue passende Stelle die Priorität für die hoch qualifizierte Hotelfrau. Denn heute mehr denn je haben ihre Teenagers von 15 und 16 Jahren Vorrang. „Ich möchte es wieder gut machen, dass ich acht Jahre lang von ihnen getrennt war. Heute leben sie endlich wieder bei mir, und ich möchte ihnen eine gute Bildung und Abschlüsse ermöglichen”, vertraut die dynamische Mutter an. „Dank PiA habe ich mit Freude die Bestätigung erhalten, dass ich in Deutschland in meiner Branche weiterhin tätig sein kann.“ Denn Hotellerie ist ihr ganzes Leben, sie liebt die Sprachen „und alles, was dahinter steckt“: Ihre Familie kommt aus diesem Bereich, sie hat als Kind und später auch am Empfang gearbeitet oder gekellnert und hat sich Schritt für Schritt hochgearbeitet.

Portugiesisch ist ihre Muttersprache, sie spricht flieβend Englisch, Deutsch und Spanisch beherrscht sie gut. Ideale Voraussetzungen für Tourismus und Hotellerie! Voller Energie sucht sie heute in der internationalen Mainmetropole eine für ihre Qualifikationen und 25 Jahre lange Erfahrung adäquate Stelle: „Ich stelle mir vor, ein Hotel von 30 Zimmern zu führen, als Empfangs-Managerin zu arbeiten, ein Team als Hauswirtschaftsleiterin in einer sehr groβen Anlage zu managen und verantworten oder kreative Strecken in Brasilien für Reise-Agenturen zu gestalten“, so die Pläne von Sandra Oestmann. Die Jobsuche steht bevor - nach der Teilnahme am nächsten PiA-Modul „Vermarktung des Kompetenzprofils“.

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