Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt

Minoo Arehchi: Vom guten Gefühl, Menschen etwas zu geben

"Ich habe schwer gekämpft, um die Förderung meiner Ausbildung zur Altenpflegerin zu erhalten", erzählt die 47-jährige Iranerin Minoo Arehchi. Zu dieser Zeit war sie 45 Jahre alt - auf den ersten Blick zu alt für einen Neubeginn, dachten viele. Auch das Rhein-Main-Jobcenter hatte Bedenken, ob sich die Investition in ihre Ausbildung rechnen würde.

Altenpflegerin Minoo Arehchi

Mit ihrer Hartnäckigkeit und der Unterstützung vom PiA-Programm wurde es ihrem Berater klar, dass Minoo Durchhaltevermögen besaβ und es ernst damit meinte. Heute hat sie eine feste Stel­le in einem Altersheim und ist sehr glücklich darüber: "Für mich ist es ein gutes Gefühl, Menschen etwas zu geben". Die humorvolle Frau könne besonders gut mit älteren Menschen umgehen, sie sei­en sehr oft äuβerst nett und dankbar für ihre Hilfe. "Und sie haben Verständnis mit mir!"

Dass sie mit Menschen gerne zusammenarbeitet, war ihr zunächst nicht bewusst. Dies stellte sich erst während des PiA-Programms heraus. "Die Dozentinnen fragten uns: ‚Was ist ihr Wunsch?’ aber das wussten wir selbst nicht richtig…", erinnert sich die al­lein stehende Mutter zweier Kinder. "Ich habe an drei Mo­dulen teilgenommen, sie ha­ben mir Orientierung gege­ben: Eigentlich wollte ich mit Menschen zu tun haben und kein Frisörsalon, wie als ich noch in Iran war, eröffnen". Das Programm habe sie beim Finden der passenden Ausbildung, beim Bewer­bungstraining oder beim Üben für Telefongespräche besonders unterstützt.

"Frauen haben ihren eige­nen Kopf!"

Über PiA erfuhr sie dank ei­ner Freundin, die beramí be­rufliche Integration e.V. kann­te. Zunächst absolvierte sie einen viermonatigen Sprach­kurs. "Nach einer Kündigung und nicht zufriedenstellender Stelle als Küchenhilfe wollte ich etwas Anderes machen. Ich war immer aktiv und kann einfach nicht zu Hause blei­ben. Diese Stille halte ich ein­fach nicht aus! Schon als ich 2001 nach Deutschland ein­wanderte, wollte ich keine Sozialhilfe beziehen! Ich hat­te den Wunsch zu arbeiten und besuchte damals schon einen Deutschkurs".
Ihr star­ker Wille war ihr ein guter Weggefährte, denn die nächsten Stationen waren schwer: Nach der Scheidung musste sie selbst für ihre Kin­der, heute 20 und 23 Jahre, sorgen. Aushilfsjobs und Doppelschicht waren keine Seltenheit, um vom Schul­denberg herunterzukommen.

Demenz, Alzheimer… Myste­riöse Worte! Dass Minoo für die geförderte Ausbildung zur Altenpflegerin hoch motiviert war, zeigte sie durch ihren Einsatz: In jeder Freizeitminu­te hat sie autodidaktisch Fachbegriffe übersetzt und gelernt. „Meine Kinder haben schon mit mir geschimpft, ich sollte Pause machen!“, schmunzelt die mutige Frau. Es hat sich gelohnt, denn nach einer anderthalbjährigen Aushilfestelle konnte sie die heutige feste Stelle finden. Dennoch will sie provisorisch einen Aushilfsjob dazu erlan­gen: Um das Studium ihrer Kinder zu finanzieren. Heute führt ihre Tochter ein Studium des Bauingenieurs durch und der Sohn absolviert eine Leh­re im kaufmännischen Be­reich in einer Privatschule. Das ist auch Integration!

"Eine Frau schafft alles! Und Frauen wie mir sage ich: ‚Bleiben Sie bloβ nicht zu Hause! Sie haben Ihren eige­nen Kopf und sie spielen eine groβe Rolle in der Gesell­schaft. Kommen Sie raus, nur so können Sie sich integrie­ren", appelliert Minoo Arehchi an den Mut aller Migrantin­nen.

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