Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt

Wirtschaft durch Wertschöpfung und Wertschätzung 

Ein Gespräch mit Nadia Qani, Inhaberin von AHP - Ambulanter Häuslicher Pflegedienst Nadia Qani 



Altenpflege-Spezialistin Nadia Qani

"In all den Jahren in Deutschland habe ich ge­lernt, wie bedeutend die Mut­tersprache für Migrantinnen und Migranten in der Pflege ist. Oft haben sie gehofft, dass sie zurückgehen wür­den, um die letzte Zeit ihres Lebens in ihrer Heimat zu verbringen. Dennoch ist es selten der Fall: Sie bleiben hier, werden alt und krank", erläutert die Geschäftsfrau Nadia Qani, Inhaberin von AHP - Ambulanter Häuslicher Pfle­gedienst Nadia Qani. In ihren Augen sind Migrantin­nen und Migranten "verbor­gene Schätze". Sie überlegte sich, wie sie sich mit ihrer Ar­beit an diese Menschen wen­den könnte, damit sie hier weiter existieren können.

"Wir müssen jedem Einzel­nen das Gefühl geben, dass sie oder er hier zu Hause ist und ein Teil der Gesellschaft ist. Wirtschaft durch Wert­schöpfung und Wertschät­zung: Dahinter steckt der Ge­danke, dass Deutschland nur dann in globalem Wettbe­werb bestehen kann, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht. Unternehmen sind kei­ne abstrakten Gebilde und die Marktwirtschaft ist kein absolutes System. Beide werden von Männern und Frauen gemacht und können nur funktionieren, wenn Men­schen von verschiedenen Kulturen darin ihren Platz fin­den. Die moderne Wirt­schaftspolitik würde heiβen, dass die Wirtschaft wieder sozial wird und die Unterneh­mer wieder demokratischer werden. Wir brauchen eben­so Finanzmärkte, die beson­ders nachhaltig für Bildung, Aus- und Weiterbildung in­vestieren", meint Nadia Qani.

Eine berufsbezogene Sprachdokumentation für beramí

Diese Philosophie findet sich in ihrer Tätigkeit wieder: Den Menschen pflegen heiβt, den Kunden als Individuum Rech­nung zu tragen. Dies ist umso mehr der Fall, was kul­tursensible Pflege anbelangt. Das AHP-Team berücksich­tigt individuelle Wünsche und Bedürfnisse, wie z. B. eigene Rituale oder kulturelle Ge­pflogenheiten. "Wichtig für uns ist, dass die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung betreut werden – und in ihrer Sprache!", so die Afghanin, die mittlerweile 45 Angestell­te aus 19 Nationen in 35 Sprachen beschäftigt. Aber alle sprechen Deutsch und haben eine Ausbildung absolviert. Wer in diesen Be­trieb kommt, erhält die pas­sende Qualifikation: "Sollte ich eines Tages nicht mehr da sein, so haben sie etwas gelernt und kön­nen sich an­derweitig bewer­ben", erklärt sie. Dies gehöre ebenso zur Qualitätssicherung, genau wie die regelmäßigen Fort- und Weiterbildungen."Wir le­gen bei der Auswahl unserer Mitarbeiter besonders großen Wert auf fachliche Qualifikati­on, sozia­le Kompetenz, Teamfähigkeit und Verant­wortungsbewusstsein", fügte sie hinzu.

Hierfür eignen sich PiA-Teil­nehmerinnen besonders gut: Zwei Damen wurden bereits bei AHP zur Kauffrau für Bü­rokommunikation ausgebil­det. Eine von ihnen hat dar­aufhin sogar ein Studium an­gefangen! AHP ist bereits langjähriger Kooperations­partner des PiA-Trägers be­ramí berufliche Integration e.V.: Die Unternehmerin ver­weist viele Frauen auf den Verein für Sprachkurse, und die Institution arbeitet im Be­reich des berufsbezogenen Sprachunterrichts für Pflege­berufe mit der Dokumentation von Nadia Qani. Die mehrfach preisge­krönte deutsche Afghanin fragt sich stets, wie sie Men­schen aus anderen Ländern in die deut­sche Gesellschaft einbinden kann. Deshalb be­deutet für sie qualitative und kultursen­sible Arbeit auch, dass ihr Personal sich auf die deut­schen Kunden einstellen kann. "Ich bringe meinem Team die hiesigen Eigen­schaften wie Pünktlichkeit, Genauigkeit und ansprechen­des Auftreten bei. Dazu ge­hört es ebenso, Verantwor­tung zu übernehmen und Pflichten zu haben", betont Nadia Qani.

Informationen: www.ahp-qani.de

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