Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt

Diversity und Fachkräfte: "Was wir investieren, bekommen wir dreifach zurück!"

Ein Gespräch mit Xenia Mohr, Ikea Diversity Manager Deutschland

Diversity eindeutig und be­wusst als Management-An­satz zu leben ist ein we­sentlicher Grundgedanke des schwedischen Riesen. "Für Ikea geht es nicht dar­um, ein soziales "Mäntel­chen" zu überziehen, son­dern das Po­tenzial der Mitar­beiter Ge­winn bringend ein­zusetzen. Folglich ist es auch für das Personal vorteilhaft, wenn ihr Unternehmen er­folgreich am Markt ist. Gera­de in Krisenzeiten ist dieser An­satz legitim", er­läutert Xe­nia Mohr, Diversity Manage­rin Deutschland von Ikea.

Xenia Mohr

In den blau-gelben Häusern der Bundesrepublik weisen mindestens 19 Prozent der Belegschaft einen Migrations­hintergrund auf: Ein logische Konsequenz, denn die Kun­denstruktur ist sehr hetero­gen. "Wir wollen den Kunden auf Augenhöhe begegnen. Und das geht nur, wenn wir alle Facet­ten ihrer Wünsche an­sprechen: Jeder von ih­nen soll sich mit der ausge­stellten Kü­che oder dem Kinderzim­mer identifizieren kön­nen. Dies fällt leichter, wenn Sie eine Vielfalt an Mitarbei­ter haben, die diesen Ansprü­chen ent­sprechen oder auch z.B. Be­ratungsgespräche in Tür­kisch oder Englisch füh­ren", so Xenia Mohr. Ein wesentlicher Aspekt des Diversity Managements bei Ikea sei, die Kundenstruktur der lokalen Bevölkerung zu widerspiegeln. In Frankfurt Niedereschbach hat fast die Hälfte der Mitarbeiter auslän­dische Wurzeln. Dieses Haus hat 2007 den hessi­schen In­tegrationspreis ge­wonnen: Jede Niederlassung hat einen eigenen sogenann­ten „Personal Masterplan“, der die bestehende Struktur so­wie Prognose und Maβnah­men für angebrachte Verän­derungen festhält. "In Niede­reschbach wurde von Be­ginn an Diversity-Schulung inte­griert, ein Hausschulungska­talog erstellt, und wir haben ein Programm für Nach­wuchsführungskräfte, in dem über 50 Prozent nicht deut­scher Herkunft sind", schil­dert Xenia Mohr die Trümpfe des Preisgewinners.

Immer offen für motivierte Praktikantinnen

Ein zweites Grundprinzip des Einrichtungsspezialisten ist Barrierefreiheit innerhalb sei­ner Häuser: Die Vielfalt in der Struktur ist auf allen Ebenen anzutreffen – auch bei Füh­rungskräften. "Wir gehen hochgradig auf den Einzel­nen ein, auch angesichts der Lebenssituation, und schla­gen zusätzliche indivi­duell passende Programme vor. Das ist für uns Chancen­gleichheit, viel mehr als Gleichstellung. Gezielte Maβ­nahmen machen Mitarbeite­rinnen und Mitarbeitern Mut und ermöglichen ihnen, in das Management aufzustei­gen. Wenn wir z.B. se­hen, dass jemand ein gutes Poten­zial als Führungskraft besitzt, kann sie oder er an einer ein­jährigen Schulung teilneh­men. Ohne die individuelle Unterstützung hätten sie sich meistens nicht ge­traut". 

Gerade im Hinblick auf Fach­kräftemangel antizipiere Ikea mit Schulung und Ausbildung konsequent: "Was wir dafür investieren, bekommen wir dreifach zurück! Es lohnt sich also, und zwar für alle", sagt die Diversity-Spezialistin. Das ganze Personal hat Vorteile davon, denn die Fluktuations­zahlen sind bei Ikea äuβerst niedrig. Daher werden nur sehr selten neue feste Ar­beitsplätze geschaffen. Hin­gegen enga­giere sich das Unterneh­men stark für Prakti­kanten. "Wenn wir freie Stel­len haben, rekrutieren wir neue Mitarbeiter sehr gerne aus den Reihen ehemaliger Prak­tikanten. Wir sind Mit­glied im Verbund ‚Fair Com­pany’: Praktikanten er­setzen keine Mitarbeiter. Sie sind zu­sätzlich da, wer­den stark ein­gebunden und lernen dabei. Über Aushilfs­jobs z.B. vor Weihnachten können sie auch testen, ob das gewählte Aufgabengebiet ihren Erwar­tungen ent­spricht." Für PiA-Teilnehme­rinnen können sich gute Praktikumstellen-Ange­bote im Rhein-Main-Gebiet erge­ben: Die Personal-Ver­antwortlichen in Hanau, Wal­lau und Niedereschbach be­rücksichtigen auch die Kun­denstruktur vor Ort und sind immer offen für motivierte Praktikantinnen aus allen Na­tionalitäten, die solide Erfah­rungen sammeln möchten.

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